Schreibtisch mit Taschenrechner und Steuerformularen vor einem weißen andalusischen Fenster

Steuern Spanien vs Deutschland: Ab 60.000 Euro wird Spanien teurer

Steuern in Spanien vs Deutschland: Der spanische Spitzensteuersatz greift in Andalusien schon ab 60.000 Euro, der deutsche erst ab 69.879 Euro, und er liegt mit 45 statt 42 Prozent höher. Unterhalb davon dreht sich das Bild.

Der Satz fällt in jedem zweiten Auswanderer-Forum: In Spanien zahlst du weniger Steuern. Beim ersten Hören nickt man. Nach der ersten eigenen Rechnung streicht man ihn wieder. Spaniens Tarif ist nicht flacher als der deutsche. Er ist anders geschnitten, und der Schnitt trifft mittlere Einkommen härter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwelle: Der Spitzensteuersatz greift in Andalusien ab 60.000 Euro, in Deutschland erst ab 69.879 Euro
  • Familie: Kein Ehegattensplitting, stattdessen ein Pauschalabzug von 3.400 Euro
  • Vorteil: Kapitalerträge bis 6.000 Euro kosten 19 statt 25 Prozent

So sieht der Vergleich in Zahlen aus

Spanien besteuert Einkommen zweimal, einmal staatlich und einmal regional. Beide Hälften werden addiert, und jede autonome Region setzt ihren Teil selbst fest. Andalusien beginnt laut amtlicher Skala der Junta de Andalucía bei 9,50 Prozent und erreicht ab 60.000 Euro den Höchstsatz von 22,50 Prozent. Die staatliche Hälfte liegt in derselben Stufe ebenfalls bei 22,50 Prozent. Macht zusammen 45 Prozent. Oberhalb von 300.000 Euro sind es 47 Prozent.

Was Deutschland Grundfreibetrag nennt, heißt in Spanien mínimo del contribuyente und funktioniert anders. Die Agencia Tributaria beziffert ihn auf 5.550 Euro. Abgezogen wird er nicht vom Einkommen, sondern am Ende von der Steuerschuld. Deutschland stellt laut Bundesfinanzministerium für 2026 12.348 Euro steuerfrei. Das sind 6.798 Euro mehr. Der deutsche Eingangssatz von 14 Prozent liegt außerdem fünf Punkte unter den spanischen 19 Prozent. Am unteren Ende der Skala hat Deutschland damit gleich zwei Vorteile, und beide verschwinden, sobald das Einkommen steigt.

Ein Detail wird dabei gern übersehen. Der spanische mínimo ist kein Freibetrag, der von oben abgezogen wird. Spanien rechnet die Steuer auf das gesamte Einkommen aus, rechnet sie ein zweites Mal nur auf den mínimo und zieht die zweite Zahl von der ersten ab. Das Ergebnis liegt in der Regel unter dem, was ein echter Freibetrag in gleicher Höhe brächte. Beide Systeme mit derselben Formel zu vergleichen, rechnet Spanien schön.

Steuern in Spanien (Andalusien) und Deutschland im Vergleich, Werte für 2026

Kriterium

Spanien (Andalusien), 2026

Deutschland, 2026

Differenz

Steuerfreies Existenzminimum

5.550 €

12.348 €

6.798 € weniger

Eingangssteuersatz

19,0 %

14,0 %

5,0 Punkte höher

Spitzensteuersatz greift ab

60.000 €

69.879 €

9.879 € früher

Satz an dieser Schwelle

45 %

42 %

3,0 Punkte höher

Höchstsatz greift ab

300.000 € (47 %)

277.826 € (45 %)

2,0 Punkte höher

Gemeinsame Veranlagung

3.400 € Abzug

Ehegattensplitting

kein Splitting

Erstes Kind

2.400 €

9.756 € oder 259 € im Monat

7.356 € weniger

Kapitalerträge bis 6.000 €

19,0 %

25,0 %

6,0 Punkte niedriger

Freibetrag auf Kapitalerträge

0 €

1.000 €

1.000 € weniger

Zwei Dinge fallen an dieser Aufstellung sofort auf. Die spanische Kurve steigt früher steil an, und sie startet höher. Bei 50.000 Euro zu versteuerndem Einkommen sitzt ein Deutscher mitten in der Progressionszone und noch weit unter dem Spitzensatz. In Andalusien ist er in derselben Situation bereits in der vorletzten Stufe. Zehntausend Euro später zahlt er den Höchstsatz. Das ist der Grund, warum die pauschale Aussage vom günstigen Spanien so hartnäckig falsch bleibt.

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Wo Spanien günstiger ist

Bei Kapitalerträgen. Spanien besteuert die ersten 6.000 Euro mit 19 Prozent, danach mit 21, 23, 27 und ab 300.000 Euro mit 30 Prozent. Deutschland nimmt pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei 6.000 Euro Dividenden im Jahr bleiben in Andalusien rund 360 Euro mehr übrig.

Bei der Vermögensteuer. Andalusien hat sie faktisch abgeschafft, über eine Bonificación auf die Steuerschuld. Die Erklärungspflicht bleibt trotzdem bestehen, sobald dein Vermögen laut Junta de Andalucía über 2.000.000 Euro liegt. Übersieht man das, kommen null Steuern und trotzdem ein Bußgeld heraus. Die Fallstricke stehen in unserem Text zur Vermögenssteuer in Andalusien.

Ein Sonderfall sind Zuzügler mit hohem Gehalt. Die Beckham Law deckelt die Einkommensteuer für bestimmte Neuankömmlinge auf einen festen Satz, statt sie durch die Progression zu schicken. Sie hat enge Voraussetzungen. Erfüllt man sie, gilt für einen die Rechnung dieses Artikels nicht mehr.

Dazu kommt, was Deutschland obendrauf erhebt. Auf die Abgeltungsteuer legt der deutsche Fiskus Solidaritätszuschlag und, bei Kirchenmitgliedschaft, Kirchensteuer obendrauf. In Spanien gibt es beides in dieser Form nicht. Bei Kapitaleinkünften vergrößert das den Abstand über die reinen 6 Prozentpunkte hinaus.

Der Zeitpunkt entscheidet mit. Spanien besteuert das Kalenderjahr, in dem du Steuerresident wirst, vollständig. Beim Umzug im Herbst landet unter Umständen das gesamte Jahreseinkommen in der spanischen Progression, obwohl du nur drei Monate im Land warst. Das trifft vor allem Abfindungen und Bonuszahlungen. Über den Umzugstermin entscheidet deshalb besser der Steuerberater mit.

Wo Spanien teurer ist

Für Familien. Deutschland kennt das Ehegattensplitting: Das gemeinsame Einkommen wird halbiert, besteuert und wieder verdoppelt. Bei einem Alleinverdiener bringt das schnell vierstellige Beträge. Spanien kennt es nicht. Stattdessen steht in Artikel 84.2 des IRPF-Gesetzes ein Abzug von 3.400 Euro von der Bemessungsgrundlage, bei Alleinerziehenden 2.150 Euro. Bei einem Grenzsteuersatz von 37 Prozent spart dieser Abzug rund 1.260 Euro, während das deutsche Splitting bei vergleichbarem Einkommen ein Vielfaches davon bringt.

Bei den Kindern. Deutschland stellt 2026 9.756 Euro je Kind frei oder zahlt 259 Euro Kindergeld im Monat. Spanien rechnet mit dem mínimo por descendientes: 2.400 Euro für das erste Kind, 2.700 für das zweite, 4.000 für das dritte, 4.500 ab dem vierten. Unter drei Jahren kommen 2.800 Euro dazu. Beim ersten Kind fehlen also 7.356 Euro.

Beim Einstieg. Die ersten Euro über dem mínimo kosten in Andalusien 19 Prozent, weil sich staatliche und regionale Hälfte zu je 9,5 Prozent addieren. In Deutschland startet der Tarif bei 14 Prozent und arbeitet sich erst langsam nach oben. Für kleine Renten und Teilzeiteinkommen ist das ein spürbarer Unterschied, den kaum ein Auswanderer-Ratgeber erwähnt.

Und in der Mitte. Das ist der Punkt, an dem die meisten Rechnungen kippen. Der spanische Höchstsatz von 45 Prozent beginnt bei 60.000 Euro. Deutschland ruft 42 Prozent erst ab 69.879 Euro auf. Zwischen diesen beiden Werten liegen 9.879 Euro, in denen Spanien mit dem Höchstsatz zulangt und Deutschland noch nicht. Genau in diesem Korridor liegt das Gehalt vieler Fachkräfte.

Teurer wird es außerdem bei den Pauschalen. Spanien kennt keine Werbungskostenpauschale in deutscher Höhe und keinen Sparer-Pauschbetrag. Die 1.000 Euro, die in Deutschland jeder Anleger steuerfrei kassiert, fehlen in Spanien ersatzlos. Ein kleines Depot wird in Andalusien ab dem ersten Euro Ertrag besteuert, und über zwei Jahrzehnte Anlagedauer summiert sich dieser scheinbar kleine Posten spürbar.

Für wen sich der Wechsel rechnet

1. Der Alleinstehende mit 45.000 Euro

Für ihn ist der Unterschied überschaubar. Er bleibt in beiden Ländern unter der Spitzensatz-Schwelle, verliert in Spanien aber die 6.798 Euro an steuerfreiem Existenzminimum. Unter dem Strich zahlt er in Andalusien etwas mehr Einkommensteuer. Ob sich der Umzug trotzdem lohnt, entscheiden die Lebenshaltungskosten in Andalusien, nicht der Steuertarif. Miete und Nebenkosten holen in Andalusien häufig mehr heraus, als der Tarif kostet.

2. Die Familie mit einem Verdiener und zwei Kindern

Hier ist Deutschland steuerlich klar im Vorteil. Das Splitting fehlt, der Kinderfreibetrag ist kleiner, und aus beidem zusammen wird schnell ein vierstelliger Unterschied im Jahr. Dazu kommt, dass beim Splitting der Alleinverdiener am stärksten profitiert, also genau die Konstellation, in der viele Familien nach Spanien gehen. Wer trotzdem kommt, kommt wegen des Wetters, der Schule oder der Miete. Gute Gründe, alle drei. Auf der Steuerseite bleibt es beim Minus.

3. Der Rentner mit 30.000 Euro Jahresrente

Er profitiert von keinem der spanischen Vorteile und trägt den niedrigeren Freibetrag voll. Dafür steigt sein mínimo ab 65 um 1.150 Euro und ab 75 um weitere 1.400 Euro. Vom Spitzensatz ist er weit entfernt, gibt in Andalusien aber jeden Euro zwischen 5.550 und 12.348 Euro zur Versteuerung, der in Deutschland frei geblieben wäre. Entscheidend ist am Ende, welches Land überhaupt besteuern darf. Wie die deutsche Rente in Spanien behandelt wird, steht in unserem Artikel zum Thema Rente in Spanien versteuern.

Was die Rechnung kippt

Diese Zahlen gelten für Steuerresidenten in Andalusien. Ob du einer bist, entscheidet die 183-Tage-Regel, und sie ist strenger, als die meisten denken. Ohne Steuerresidenz gelten ganz andere Regeln.

Sozialabgaben stecken in dieser Gegenüberstellung nicht drin. Selbstständige rechnen zusätzlich mit den Autónomo-Kosten in Spanien, und die verschieben das Ergebnis erheblich. Auch die regionale Hälfte fällt in jeder autonomen Gemeinschaft anders aus, die andalusische Skala gilt nur für Andalusien. Abzüge, Werbungskosten und regionale Ermäßigungen bleiben hier ebenfalls außen vor, weil sie für jeden Haushalt anders aussehen. Wie der spanische Tarif im Detail rechnet, zeigt Einkommensteuer in Spanien.

Ein eigenes Kapitel ist der Wegzug selbst, für jeden, der Anteile oder Immobilien in Deutschland zurücklässt. Der Fiskus lässt das nicht kommentarlos zu. Die Wegzugsbesteuerung kann im Umzugsjahr teurer werden als jede Tarifdifferenz der folgenden zehn Jahre, und für Gesellschafter einer GmbH ist sie regelmäßig die teuerste Zeile des ganzen Umzugs.

Bleibt die Frage, wo in Spanien. Weil die halbe Steuer regional festgelegt wird, entscheidet die Wahl der Region über mehrere Prozentpunkte. Wer zwischen zwei Regionen schwankt und ein hohes Einkommen mitbringt, sollte beide Skalen nebeneinanderlegen, bevor der Mietvertrag unterschrieben ist.

Rechne mit deinen eigenen Zahlen

Ein Tarifvergleich ersetzt keine Rechnung. Was am Monatsende übrig bleibt, hängt an Miete, Schule, Versicherung und Auto, und die fallen in Andalusien anders aus als in Deutschland. Der Kostenrechner setzt deine Zahlen nebeneinander.

Eine Sache fällt schon vor dem ersten spanischen Steuerbescheid an: Das Geld muss überhaupt erst hier ankommen. Solange das spanische Konto noch nicht steht, läuft die Miete, die Kaution und die erste Abschlagszahlung an die Gestoría über Überweisungen aus Deutschland – und genau dort kostet der Wechselkurs der Hausbank oft mehr als die Steuerdifferenz eines ganzen Monats.

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Häufige Fragen

Nicht pauschal. Bei Kapitalerträgen bis 6.000 Euro ja, bei Familien und mittleren Gehältern nein: Der spanische Höchstsatz von 45 Prozent greift in Andalusien schon ab 60.000 Euro, der deutsche Spitzensatz von 42 Prozent erst ab 69.879 Euro.

Nein. Statt des Splittings gewährt Spanien bei gemeinsamer Veranlagung einen Abzug von 3.400 Euro von der Bemessungsgrundlage, bei Alleinerziehenden 2.150 Euro. Das entlastet deutlich weniger als das deutsche Splittingverfahren.

Der mínimo del contribuyente liegt bei 5.550 Euro und steigt ab 65 Jahren um 1.150 und ab 75 Jahren um weitere 1.400 Euro. Er wirkt nicht als Abzug vom Einkommen, sondern mindert am Ende die Steuerschuld.

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