Bodenbewegung unter deinem Haus in Spanien kostenlos prüfen
Ob sich der Boden unter deinem Haus in Spanien bewegt, kannst du kostenlos und ohne Anmeldung selbst prüfen. Der europäische Kartendienst EGMS wertet Satellitendaten aus und zeigt für fast jede Adresse in Andalusien, wie stark sich der Boden seit 2020 gehoben oder gesenkt hat.
Die fachliche Grundlage dieses Artikels stammt von Jorge Torres, Gründer des spanischen Anbieters Homefax für Immobilien-Risikoberichte. Wir haben seine Angaben redaktionell geprüft, gegen amtliche und wissenschaftliche Quellen abgeglichen und für ExpatAndalucia neu geschrieben. Zahlen, die ausschließlich aus einer eigenen Auswertung von Homefax stammen und nicht unabhängig nachprüfbar sind, kennzeichnen wir im Text ausdrücklich als solche.
Das Wichtigste in Kürze
Was ein Baugutachten und die Nota Simple nicht zeigen
Bevor du in Spanien eine Immobilie kaufst, holst du dir im Idealfall die Nota Simple und lässt einen Anwalt den Vertrag prüfen. Die Grundlagen dazu beschreiben wir ausführlich im Beitrag Immobilienkauf in Spanien. Die Nota Simple zeigt dir Eigentümer, Lasten und eingetragene Grundschulden. Sie zeigt dir nicht, ob sich der Baugrund unter dem Haus in den letzten Jahren gesenkt oder gehoben hat.
Auch ein klassisches Baugutachten hilft hier nur bedingt: Ein Gutachter sieht Risse, Feuchtigkeit und den baulichen Zustand am Tag der Besichtigung – eine Momentaufnahme. Ob sich der Boden seit Jahren langsam bewegt und ob ein Riss in einem Jahr größer wird, lässt sich aus einem einzigen Termin nicht ableiten. Genau diese Lücke schließt EGMS: Der Dienst wertet mehrere Jahre Satellitendaten aus und zeigt eine Bewegungsrichtung über Zeit, keine Momentaufnahme. Bevor du den Contrato de Arras unterschreibst, lohnt sich deshalb ein zusätzlicher Blick auf die Satellitendaten. Er kostet nichts.
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So prüfst du die Bodenbewegung an deiner Adresse
Der EGMS-Viewer läuft im Browser unter egms.land.copernicus.eu. Laut dem offiziellen Handbuch des Dienstes (EGMS End-User Interface Manual) brauchst du für die folgenden sechs Schritte kein Konto. Sechs Klicks reichen.
- Öffne den EGMS-Viewer und klicke oben rechts auf das Such-Symbol („Search by location or coordinates“).
- Gib die Adresse deines Hauses oder die Koordinaten ein. Die Karte zoomt automatisch auf die Stelle.
- Wähle im Auswahlfeld oben links ein Datenprodukt: voreingestellt ist „ORTHO (Level 3) Vertical“, für mehr Detail stehen „Calibrated“ und „Basic“ zur Wahl.
- Klicke auf den farbigen Messpunkt, der deinem Haus am nächsten liegt. Rot steht für Senkung, Blau für Hebung.
- Im sich öffnenden Zeitreihen-Fenster siehst du Punkt-ID, mittlere Jahresgeschwindigkeit (mean velocity) in mm pro Jahr, die Fehlerspanne (RMSE) und den Verlauf als Grafik.
- Klicke auf „View data“ für die einzelnen Messwerte je Sentinel-1-Aufnahmedatum, oder halte Shift gedrückt, um mehrere Nachbarpunkte gleichzeitig zu vergleichen.
Ein Login (EU-Login) verlangt der Dienst laut Handbuch ausschließlich für die separate Archiv- und Massen-Download-Suche, nicht für die Orts- und Punktprüfung, wie oben beschrieben.
So liest du die Werte richtig
Einheit ist mm pro Jahr, nicht insgesamt: Der angezeigte Wert ist eine mittlere Jahresgeschwindigkeit (mean velocity), keine Gesamtbewegung seit Messbeginn. Minus 2 mm pro Jahr über vier Jahre ergeben rechnerisch rund 8 mm Gesamtsenkung. Nicht mehr.
Ein Punkt ist kein Gebäude: Das voreingestellte ORTHO-Produkt rastert die Daten auf ein 100-Meter-Gitter. Ein einzelner Messpunkt steht damit für eine Fläche, nicht zwangsläufig exakt für das Fundament deines Hauses.
Farbe zeigt Richtung, nicht automatisch Schaden: Rot bedeutet Senkung (Subsidenz), Blau bedeutet Hebung. Beides kann natürliche Ursachen haben, etwa saisonale Grundwasserschwankungen, und muss kein Bauschaden sein.
RMSE ist die Fehlerspanne: Jeder Punkt trägt eine RMSE-Angabe (Standardabweichung). Bei gut vermessenen Punkten liegt sie laut offizieller EGMS-Produktbeschreibung bei rund 0,7 mm pro Jahr. Werte in dieser Größenordnung sind Messgenauigkeit, kein Alarmsignal.
Wann ein Wert auffällig wird
Eine offizielle, EU-weite Schwelle für „gefährliche“ Bodenbewegung gibt es nicht – EGMS liefert Messwerte, keine Bewertung. Genau hier setzt Homefax an, ein spanischer Anbieter für Immobilien-Risikoberichte: Eine eigene, nicht unabhängig geprüfte Auswertung von Homefax über 21.613 Gebäude in Spanien zeigt, wie stark die Zahl der Messpunkte die Aussagekraft beeinflusst: Bei Gebäuden mit nur ein bis zwei Messpunkten wiesen 18,1 Prozent eine auffällige Bewegung gegenüber der Umgebung aus, bei drei bis fünf Punkten waren es 10,2 Prozent, bei 51 bis 100 Punkten nur noch 0,2 Prozent. Das Gefälle zeigt vor allem, wie gut ein Gebäude gemessen ist, nicht wie stark sich der Boden darunter tatsächlich bewegt – eine Messung mit ein oder zwei Punkten gilt deshalb als nicht ausreichend, um ein Gebäude seriös mit seiner Umgebung zu vergleichen. Homefax nennt intern einen Wert von minus 3,5 Millimetern pro Jahr als eigene Warnschwelle für gut vermessene Gebäude. Auch das ist eine unternehmenseigene Einordnung des Anbieters, keine amtliche Grenze.
Wie unterschiedlich benachbarte Messpunkte ausfallen können, zeigt ein Beispiel aus Guardamar del Segura (Alicante), das Homefax in einem öffentlichen Musterbericht veröffentlicht: Von drei nahe beieinanderliegenden EGMS-Punkten lagen zwei bei minus 0,7 und minus 0,8 Millimetern pro Jahr im unauffälligen Bereich, ein dritter dagegen bei minus 4,8 Millimetern pro Jahr. Ohne den Blick auf die Karte hätte man das Grundstück pauschal als „ruhig“ oder „bewegt“ eingestuft, je nachdem, welchen der drei Punkte man zufällig geprüft hätte. Auch dieses Beispiel stammt aus Homefax‘ eigenem Bericht, nicht aus einer unabhängigen Prüfung durch ExpatAndalucia.
Bodenbewegung in Zahlen: amtliche Kennwerte und die Homefax-Auswertung im Vergleich
|
Kennwert |
Wert |
Stand |
Quelle |
|---|---|---|---|
|
Aktueller Datenzeitraum EGMS |
2020 bis 2024 |
22.09.2026 |
Copernicus / EGMS |
|
Messgenauigkeit (Standardabweichung) |
0,7 mm pro Jahr |
22.09.2026 |
EGMS-Produktbeschreibung |
|
Rasterauflösung ORTHO-Produkt |
100 Meter |
22.09.2026 |
EGMS-Produktbeschreibung |
|
Von Homefax ausgewertete Gebäude |
21.613 |
22.09.2026 |
Homefax, eigene Auswertung |
|
Anteil mit auffälliger Bewegung bei 1–2 Messpunkten (Homefax) |
18,1 Prozent |
22.09.2026 |
Homefax, nicht unabhängig geprüft |
|
Anteil mit auffälliger Bewegung bei 3–5 Messpunkten (Homefax) |
10,2 Prozent |
22.09.2026 |
Homefax, interne Einordnung |
|
Homefax-eigene Warnschwelle |
minus 3,5 mm pro Jahr |
22.09.2026 |
Homefax (unternehmenseigen) |
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Guardamar, Punkt 1 (ruhig) |
minus 0,7 mm pro Jahr |
22.09.2026 |
Homefax-Musterbericht |
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Guardamar, Punkt 2 (ruhig) |
minus 0,8 mm pro Jahr |
22.09.2026 |
Homefax-Musterbericht |
|
Guardamar, Punkt 3 (auffällig) |
minus 4,8 mm pro Jahr |
22.09.2026 |
Homefax-Musterbericht |
Wo der Boden in Spanien tatsächlich in Bewegung ist
Wissenschaftlich am besten dokumentiert ist der Fall des Guadalentín-Tals bei Lorca (Murcia): Laut einer in der Fachzeitschrift Engineering Geology veröffentlichten Studie maßen Forscher dort per Radarsatelliten (InSAR) Senkungsraten von bis zu 100 Millimetern pro Jahr. Das ist nach dieser Untersuchung die stärkste bekannte, durch Grundwasserentnahme verursachte Bodensenkung in ganz Europa. Ursache ist jahrzehntelange Übernutzung des Grundwasserleiters. Das ist dokumentiert, nicht geschätzt.
Auch in Andalusien selbst gibt es dokumentierte Bewegung: In der Vega de Granada misst die Universität Granada in Trockenperioden Senkungen von bis zu einem Zentimeter pro Jahr, in einzelnen Zonen um Armilla, Atarfe, Chauchina und Santa Fe bis zu 13 Millimeter jährlich, ausgelöst durch die Übernutzung desselben Grundwasserleiters in Dürrejahren. Einen landesweiten Überblick über amtlich erfasste Bodenbewegungen führt das spanische Geologie-Institut IGME in der öffentlichen Datenbank BDMOVES.
Was der Satellit nicht zeigt
So nützlich der Blick auf die Karte ist – er ersetzt keine Prüfung vor Ort. Das ORTHO-Produkt mittelt über ein 100-Meter-Raster; eine undichte Wasserleitung, die nur das Fundament eines einzelnen Hauses unterspült, sieht der Satellit nicht. Und ein einzelner roter Punkt ist noch kein Beweis für einen Schaden – er ist ein Grund, genauer hinzuschauen, keine fertige Diagnose. Wer nach diesem Check unsicher bleibt, bestellt zusätzlich ein klassisches Baugutachten vor Ort. Das kostet, schützt aber besser.
Genauso wenig ersetzt EGMS die übliche Kaufprüfung. Rechne Notar, Register und Steuern weiterhin über unseren Beitrag zu den Kaufnebenkosten in Spanien vor, und wenn du selbst bauen oder anbauen willst, informiere dich vorab über die Baugenehmigung in Spanien: Beide Prüfungen bleiben unabhängig vom EGMS-Ergebnis Pflicht.
Steht die Entscheidung für ein Haus, kommt kurz darauf die nächste Zahlung: das Stammkapital, die Anzahlung, oder die letzte Kaufrate an den Notar. Auch dabei zählt der Kurs.
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Häufige Fragen
Die Bodenprüfung ist ein Baustein von vielen auf dem Weg nach Andalusien: Wohnsitz, Versicherung, Schule und Steuererklärung hängen ebenso daran.
Fazit
Die tragende Zahl dieses Artikels ist nicht die Warnschwelle eines Anbieters, sondern die Messgenauigkeit des europäischen Kartendienstes selbst: 0,7 Millimeter pro Jahr Standardabweichung bei einem gut vermessenen Punkt. Mit dieser Präzision kannst du kostenlos und ohne Anmeldung prüfen, was sich unter deinem zukünftigen oder aktuellen Haus in Spanien seit 2020 bewegt hat. Mehr braucht es nicht.
Der teuerste Irrtum ist nicht, den Blick auf EGMS zu verpassen. Er ist, einen einzelnen roten Punkt für einen fertigen Befund zu halten, statt für das, was er ist: ein Grund, genauer hinzuschauen – mit Nachbarpunkten, mit einem Baugutachter, notfalls mit einem spezialisierten Risikobericht. Wer aus einem Punkt eine Diagnose macht, kauft aus Angst ein gutes Haus nicht, oder ignoriert aus Bequemlichkeit ein echtes Warnsignal.
Quellen und Stand
Copernicus Land Monitoring Service, EGMS Explorer und EGMS End-User Interface Manual (abgerufen 22.09.2026) · Copernicus Land Monitoring Service, Meldung zum Produkt-Update vom 29. April 2026 auf den Zeitraum 2020–2024 (abgerufen 22.09.2026) · EGMS Product Description Document, Technical Library, Angabe zur Standardabweichung von 0,7 mm pro Jahr (abgerufen 22.09.2026) · Instituto Geológico y Minero de España (IGME), Base de Datos de Movimientos del Terreno BDMOVES (abgerufen 22.09.2026) · Universidad de Granada, Canal UGR, Bericht zur Bodensenkung in der Vega de Granada (abgerufen 22.09.2026) · Studie zum Guadalentín-Tal bei Lorca, veröffentlicht in Engineering Geology, referiert über Agencia SINC (abgerufen 22.09.2026) · Homefax, öffentlicher Musterbericht (homefax.es/informe-ejemplo-de) sowie eigene, nicht unabhängig geprüfte Auswertung von Jorge Torres, Gründer von Homefax (abgerufen 22.09.2026). Geprüft am 22.09.2026.


